SCHMERZTHERAPIE
Eine Studie vom Sept. 2004 zeigt, daß 20
Prozent aller Europäer
chronische Schmerzen haben – und sich mit ihrem Leiden
von Medizinern alleine gelassen fühlen. Das hat "Der Presse" zufolge eine
europaweite Studie mit 46.000 Patienten ergeben. Vor allem praktische Ärzte
kümmern sich nach Angaben der Befragten zu wenig um die dauerhaften Schmer
zen.
Die Folge: Viele der chronisch Geplagten setzen auf Selbstmedikation. Wie aus
der Studie hervorgeht, beeinträchtigen der
chronische Schmerzen nicht nur das
körperliche Wohl: 40 Prozent der Probanden sagten, ihre tägliche Routine sei
durch das Leiden stark negativ beeinflusst und auch das Sozialleben leide. Rund
30 Prozent erkranken der Untersuchung zufolge zudem an einer
behandlungsbedürftigen Depression. 27 Prozent gaben an, die Beziehung zu Familie
und Freunden kaum aufrechterhalten zu können. Sexualität ist für ein Fünftel der
Befragten aufgrund der Schmer zen kein Thema mehr – und ebenfalls ein Fünftel der
chronische n Schmerzpatienten wünscht sich
gar den Tod.
Die Presse, Gesundheit, S. 26
Die Einstellung zu Schmer zen hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte entscheidend gewandelt. Während im Mittelalter das Ertragen von Schmerzen oft als Nähe zum Schicksal Jesus Christi erlebt und vom Umfeld gewürdigt wurde und somit das Erdulden von Schmer zen eine ehrenvolle und von Gott auferlegte Bürde war, änderte sich diese Ansicht im Rahmen der Aufklärung und der folgenden Jahrhunderte bis hin zur heutigen Einstellung, daß Schmer zen, die über ein gewisses Maß hinausgehen und die vor allen Dingen einen gewissen zeitlichen Rahmen überschreiten, eine Art Fehlfunktion des menschlichen Nervensystems und damit eine zu korrigierende Krankheit darstellen und einer gezielten Schmerztherapie bedürfen.
In der modernen
Schmerztherapie unterscheidet man akute Schmerzphasen von chronischen
Schmerzerkrankungen. Akute
Schmer
zen sind meist durch eine Gewebeschädigung
hervorgerufen und gehen parallel zur Ausheilung des Gewebeschadens zurück. Sie
sind daher selbstbegrenzend und erfüllen meist eine sehr sinnvolle Warnfunktion
sowie edukatorische Funktionen (= zwingen
häufig in eine bestimmte Schonhaltung, sie weisen auf die schädliche Wirkung
toxischer Stoffe hin etc.).
Die Behandlung akuter Schmerzzustände,
einschließlich der postoperativen
Schmerztherapie, stellt heute ein gut
beherrschbares Problem dar, da die zur Verfügung stehenden
Analgetika
(=
Schmerzmedikamente) in der Regel
gut wirksam sind. Bei sehr starken Schmerzzuständen, wie beispielsweise nach
einer Operation, kommen häufig auch Opioide (=
morphinähnliche
Schmerzmittel) erfolgreich zum Einsatz.
Die eigentliche Herausforderung in der
Schmerztherapie
stellen hingegen
chronische Schmerzen
(= lang andauernde
Schmer
zen) dar.
1986 wurde von der „Internationalen Gesellschaft zum Studium von
Schmer
z“ (IASP)
folgende Definition für den Begriff
Schmer
z festgelegt: „Schmer
z ist ein
unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit aktuellen oder potentiellen
Gewebsschädigungen verknüpft ist oder mit Begriffen solcher Schädigungen
beschrieben wird.“ Diese Definition berücksichtigt die Beobachtung, daß es bei
chronischen Schmer zen häufig zu einer Entkopplung der
Schmer
zen von der
Gewebsschädigung kommt bzw. es keine nachweisbare primäre Gewebsschädigung gibt.
Ein Beispiel hierfür sind persistierende (=
anhaltende)
Schmer
zen nach einer „gelungenen“ Nukleotomie
(=
Bandscheibenoperation), d.h. ein Postnukleotomie-Syndrom. Als
Beispiel für Schmer
zen ohne ein entsprechendes somatisches
(= körperliches) Korrelat sei hier die
somatoforme Schmerzstörung genannt. Neuere Daten weisen darauf hin, daß 12
Millionen Bundesbürger in ihrem Leben zumindest vorübergehend unter einer
somatoformen
Schmerzstörung leiden!
Die Behandlung von chronischen Schme rzen
wirft erhebliche diagnostische (= Erkundung der Schmerzursache), sozialmedizinische (vor
allem arbeitsmedizinische) und therapeutische Probleme auf.
Die chronischen
Schmer
zen werden mit der
Zeit zu einem zunehmend eigenständigen Krankheitsbild („Schmerzkrankheiten“), das
wie oben erwähnt, häufig weitgehend unabhängig von Gewebsschäden die
körperlichen, seelischen und sozialen Fähigkeiten des Patienten zunehmend
einschränkt.
Typisch ist auf körperlicher Ebene
die schmerzbedingte Zunahme der Bewegungsarmut, das Einnehmen von Schonhaltungen
mit entsprechenden Fehlbelastungen der Gelenke und muskulären Strukturen sowie
die Durchführung von nicht indizierten (=
nicht gut begründeten) operativen Eingriffen
(iatrogene Schädigung = vom Arzt verursacht
Schädigung).
Auf seelisch-emotioneller Ebene
spielen vor allen Dingen depressive Verstimmungen, das Gefühl einer zunehmenden
Ohnmacht, Müdigkeit und Erschöpfung sowie Angst vor weiteren Einschränkungen
eine entscheidende Rolle. Bei stärker chronifizierten Schmerzpatienten bilden
sich zudem vegetative (= das unterbewußte Nervensystem betreffende) Beschwerden wie
vermehrtes Schwitzen, innere Unruhe, Tachykardien
(= schneller Puls), Ein- und
Durchschlafstörungen, Sodbrennen und Globusgefühl
(= „Kloßgefühl im Hals“) aus.
Die zwischenmenschlichen (sozialen) Einschränkungen beziehen sich sowohl auf das familiäre Umfeld als auch auf den Freundeskreis und die Arbeitswelt. Durch die o.g. Leistungseinschränkungen wird eine gleichberechtigte Interaktion häufig verhindert und der chronisch Schmerzkranke sieht sich häufig mit Konflikten in der Familie, im Arbeitsverhältnis sowie im Freundeskreis konfrontiert. Am Ende kann das zu einem weitgehenden Rückzug und zu erheblichen finanziellen Problemen führen.
Aufgrund dieser komplexen Problematik entstand zunehmend das Bedürfnis nach einer zusätzlichen Qualifikation zur Betreuung dieser chronischen Schmerzpatienten. 1996 wurde von der Bundesärztekammer in Deutschland die Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ verabschiedet. Diese Zusatzqualifikation kann von patientenorientierten Fachärzten erworben werden und setzt eine 80-stündige standardisierte theoretische Weiterbildung sowie die hauptamtliche ganztägige Arbeit in einem Ausbildungszentrum für „Spezielle Sch merztherapie“ (Schmerzklinik) für mind. 1 Jahr voraus. Die Zusatzbezeichnung „spez ielle Schmerztherapie“ wird erst nach einer mündlichen Prüfung seitens der Landesärztekammer vergeben.
Folgende Krankheitsbilder werden
sinnvollerweise von Fachärzten mit Zusatzbezeichnung „Spezi
elle Schmerztherapie“ behandelt/mitbehandelt:
Die „Spezielle Schmerztherapie“ ist aufgrund der Beeinträchtigung sowohl körperlicher als auch seelischer und sozialer Fähigkeiten durch eine chronische Schmerzerkrankung auf multimodale Therapiekonzepte ausgelegt. D.h., daß neben körperlichen Therapien wie Medikamenten (u.a. Analgetika (= Schmerzmittel), Psychopharmaka), Spritzentherapien, Krankengymnastik, anderen körperlichen Anwendungen, Chirotherapie, oder Akupunktur auch psychologische Verfahren zur Schmerztherapie eingesetzt werden sollten. Hierbei haben sich insbesondere Entspannungstechniken (Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Autogenes Training) sowie die Auseinandersetzung mit Verfahren der Schmerzbewältigung als sinnvoll herausgestellt. Da solche Therapiekonzepte sehr aufwendig und kostspielig sind, ist oft eine ambulante Schmerztherapie - besonders in Zeiten der Kosteneinsparung im Gesundheitswesen - nicht durchführbar.
Im Folgenden werden spezielle Maßnahmen im Rahmen der therapeutischen Lokalanästhesie erläutert, die einen wichtigen Platz im Rahmen einer multimodal angelegten Schmerztherapie einnehmen können.
Unter dem Begriff "therapeutische
Lokalanästhesie
" werden sämtliche Schmerzausschaltungsmethoden, deren Wirkung auf
Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) beruhen, zusammengefaßt.
In der
Schmerztherapie wird die therapeutische Lokalanästhesie in Form von
örtlichen Infiltrationsanästhesien, Nerven- und Leitungsblockaden,
rückenmarknahen und Grenzstrangblockade
n durchgeführt. Hauptsächlich werden
dazu lang wirkende Lokalanästhetika,
z.B. Bupivacain verwendet. Die wiederholten Betäubungen können in Form von
Einzelinjektionen durchgeführt werden, mit dem Nachteil, daß diese oft
schmerzhaft sind und die Treffsicherheit nicht jedesmal gewährleistet ist.
Die Erfolgschancen sind um so größer, wenn der betroffene Nerv über einen
längeren Zeitraum sozusagen anhaltend betäubt werden kann. Dies bedeutet aber,
daß täglich 4-5 Einzelinjektionen an derselben Stelle notwendig sind. Man kann
sich vorstellen, daß diese Handhabung für den Patienten oftmals eine Tortur
bedeutet und sich deshalb meist nicht so konsequent durchführen läßt.
Dieses Problem haben wir für einige Nerven durch die Anwendung der sog.
kontinuierlichen Blockade mittels eines Katheters gelöst. Dabei wird der dünne
Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven
eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt nahezu schmerzfrei durch eine
handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“
werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach
Abklingen der vorangegangenen Dosis, das
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel) völlig
schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des
örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe
angeschlossen werden.
Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung
so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der
Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen
möglich bleiben.
Nach längerer
Schmerztherapie (z.B. 2-3 Wochen) verbleibt in
den meisten Fällen deutliche Schmerzlinderung, oft aber auch Schmerzfreiheit.
Dieser anhaltende Effekt über die Behandlungszeit hinaus ist u.a. darauf
zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen
Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung
resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei
Schmer
zen, die durch entzündliche oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte)
Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Diese Mehrdurchblutung optimiert auch
einen schmerzverursachenden, gestörten Nervenzellstoffwechsel. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine
solche Behandlung auch das „Schmerzgedächtnis“ im Gehirn zu löschen.
Folgende Katheterblockaden wurden in unserer Schmerzklinik entwickelt und werden seit vielen Jahren mit hoher Treffsicherheit routinemäßig zur Schmerztherapie angewendet:
Nervus femoralis (vorderer
Oberschenkelnerv): Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des
Oberschenkels her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der
Tiefe den Oberschenkelnerv auf und legen in die Nervenscheide (Gewebsumhüllung
des Nerven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3
Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte örtliche Betäubungsmittellösung ein. Dabei wählen wir die Konzentration des Wirkstoffes
so, daß die grobe Kraft und damit die Beweglichkeit erhalten bleibt, aber die
Schmerzempfindlichkeit deutlich herabgesetzt oder gar aufgehoben ist.
Anwendungsgebiete:
Schmerztherapie bei
Oberschenkelschmerzen (z.B. nach Amputationen),
Kniegelenkschmerzen (Arthrosen
usw.) und zum Teil Unterschenkelbeschwerden (vorderer und innerer Anteil).
Zur
Schmerztherapie im
Hüftgelenks
- und
Leistenbereich kann vorgenannte Methode verändert angewendet werden (der sog.
3 in 1-Block oder die Plexus lumbalis-Blockade): Wenn man die Menge
der örtlichen Betäubungsmittellösung erhöht (ca. 25-35 ml) und während des
Einspritzens den Oberschenkel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben
getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt weitere Nerven, die die
genannten Körpergebiete versorgen.
N. ischiadicus: Bei dieser
Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem
Gesäß,
den Ischiasnerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen
Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (Gewebsumhüllung) ein. In den
folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine
verdünnte, örtliche Betäubungsmittellösung eingespritzt. Je nach
Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer
Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit.
Anwendungsgebiete:
Schmerztherapie im Bereich des Fußes (Morton
Neuralgie, Fersenschmerzen,
Tarsaltunnelsyndrom) äußerer und hinterer
Unterschenkel (z.B.
Fibulaköpfchen
Syndrom) sowie rückwärtiger Oberschenkel
N. intercostalis
(Zwischenrippennerv): Dabei legen wir einen Katheter unterhalb der zugehörigen
Rippe ein und spritzen über den Schlauch schmerzfrei alle 4-5 Stunden 2-4 ml
einer höherprozentigen Lokalanästhetikalösung ein. Wir wenden diese Methode
hauptsächlich zur
Schmerztherapie bei der sog.
Interkostalneuralgie,
Thorakalsyndrom,
Brustkorbschmerzen
und Mastodynie
an.
Unterarmnerven: Die Nerven
ulnaris, radialis und medianus können bei entsprechendem Schmerzbild
ebenfalls mit einem Katheter versorgt werden. Dabei genügen mehrmals täglich
nur wenige Milliliter eines örtlichen Betäubungsmittels, um deutliche
Schmerzlinderung oder Schmerzfreiheit zu erzielen.
Anwendungsgebiete: z.B. allgemein Unterarmschmerzen,
Schmerztherapie bei
Karpaltunnel
Syndrom, Cheiralgia
paraesthetica oder
Sulcus-ulnaris-Syndrom.
Die sog. paravertebrale
Kathetertechnik: Dabei pflanzen wir den Katheter neben der Wirbelsäule an
die betroffene Nervenwurzel ein, ebenfalls mittels einer Blindpunktion. Die
korrekte Lage haben wir auch hier durch eine elektrische Stimulation überprüft.
Diese Methode kommt hauptsächlich bei relativ eng umschriebenen Lumbalsyndromen
(Kreuzschmerzen),
oder auch
Nervenwurzelkompressionssyndrom
e zur Anwendung.
Der sog. Triggerpunktkatheter:
Triggerpunkte sind eng umschriebene Gewebsareale. Z.B. durch mechanischen Druck
auf diese umschriebenen Gewebsbereiche läßt sich die für den Patient typische
Schmerzsensation auslösen oder deutlich verstärken. Wird der Bereich mit einem
örtlichen Betäubungsmittel infiltriert, setzt in der Regel prompt eine deutliche
Schmerzlinderung, oft auch Schmerzfreiheit ein, zunächst jedoch meist nur für
die Dauer der Wirkzeit des verwendeten örtlichen Betäubungsmittels. Wenn die
jeweilige schmerzlindernde oder schmerzstillende Wirkung reproduzierbar ist,
kann ein Katheter implantiert werden. Anwendung: Zur
Schmerztherapie umschriebener
myofaszialer Schmerz
en.
Die kontinuierliche Blockade des
Ganglion stellatum: Das Ganglion Stellatum ist eine Schaltstelle im sog.
Grenzstrang und ist paarig im tieferen Halsbereich angeordnet. Nach Infiltration
des Ganglions mit einem örtlichen Betäubungsmittel kommt es zu einer sehr
deutlichen Mehrdurchblutung im gleichseitigen, sog. oberen Quadranten
(Kopfhälfte, Schulter-/Armbereich und Brustkorbhälfte). Es ist unseren Ärzten
schon 1987 gelungen, auch dafür eine Kathetermethode zu entwickeln. Der Katheter
wird dabei von vorne, neben der Luftröhre eingebracht. Diese Methode kann auch
beidseitig angewendet werden, allerdings muß die Füllung alternierend
(= abwechselnd mit Zeitabstand)
erfolgen.
Die Stellatumblockade mittels einer Injektion gehört an sich schon zur
"hohen Schule" der
Schmerztherapie und wird nur von wenigen, erfahrenen Ärzten
durchgeführt, nicht zuletzt wegen den Komplikationsmöglichkeiten. Die
Möglichkeit einer kontinuierlichen Blockade mit einem Katheter ist daher
optimal. Auch diese Methode wird derzeit nur bei uns durchgeführt.
Anwendungsgebiete: z.B.
Schmerztherapie bei Gesichtsschmerzen,
Armplexusausriß,
Quadranten-Syndrom.
Die nächsten Methoden sind in der Anästhesie schon bekannt, wurden aber zur Schmerztherapie von uns teilweise modifiziert:
- Die
kontinuierliche Blockade des
Plexus brachialis (= Armnervengeflecht)
mit Katheter: Bei dieser Methode wird im Bereich der Innenseite des Oberarmes,
nahe der Achselhöhle in örtlicher Betäubung der Armnerv mit einer Kanüle
aufgesucht. Dann wird durch diese Kanüle hindurch ein dünner Kunststoffschlauch
in die Nervenscheide (den Nerv umhüllendes Gewebe) eingeführt und nach oben, zur
Schulter hin, vorgeschoben. In den nächsten 2-3 Wochen wird der
Kunststoffschlauch mehrmals täglich (bei Bedarf auch nachts) mit einem örtlichen
Betäubungsmittel aufgefüllt. Die Konzentration des Wirkstoffes wird so gewählt,
daß die aktive Beweglichkeit erhalten bleibt, die Schmerzempfindlichkeit jedoch
deutlich herabgesetzt oder aufgehoben ist. Während der Behandlung wird die
Schulter
-/Arm-Region deutlich besser durchblutet. Im Stadium der deutlichen
Schmerzlinderung oder Schmerzfreiheit kann dann intensiv und vor allem sinnvoll
krankengymnastisch behandelt werden.
Anwendungsgebiet:
Schmerztherapie im Bereich der
Arme
(z.B. Tennisarm).
Spritzt man in den Kunststoffschlauch
eine größere Menge (z.B. 35-45 ml) von dem örtlichen Betäubungsmittel ein und
staut gleichzeitig den Oberarm ab, dann wird der gelöste Wirkstoff innerhalb der
Nervenscheide bis hoch zu den Nervenwurzeln im Halswirbelsäulengebiet getrieben
und wirkt auch dort schmerzlindernd. Auf diese Weise kann ein sog.
HWS-Syndrom
behandelt werden, zumal der Kunststoffschlauch auch beidseitig eingepflanzt
werden kann. Die Erfolge mit dieser Methode in den meisten Fällen doch sehr erstaunlich.
- Die kontinuierliche
Periduralanästhesie mit Katheter wird zur Schmerzausschaltung bei Operationen
allgemein oft angewendet, sie eignet sich vorzüglich auch zur
Schmerztherapie. Bei dieser Methode wird im Bereich der Lendenwirbel (oder
auch höher) ein dünner Kunststoffkatheter in örtlicher Betäubung eingelegt.
Dieser wird dann mehrmals täglich mit einer lang wirkenden, örtlichen Betäubungsmittellösung aufgefüllt. Die Konzentration des Wirkstoffes wird so
gewählt, daß die Beweglichkeit, bzw. Kraft, nicht oder kaum eingeschränkt ist,
so daß sich der Patient trotzdem frei bewegen kann. Gleichzeitig ist aber die
Schmerzempfindlichkeit im Bereich der unteren Körperhälfte vermindert oder gar
aufgehoben. Zusätzlich nimmt die allgemeine Durchblutung in diesem Bereich zu.
Anwendungsgebiet: allg.
Schmerztherapie in der mehr
unteren Körperhälfte (z.B. Bauchschmerzen)
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